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Niemand denkt gern daran. Aber genau dann zählt, ob Ihre Angehörigen handlungsfähig sind. Diese Liste führt Sie durch alles, was in einen Notfallordner gehört — Schritt für Schritt, in Ihrem Tempo.
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Ein Notfallordner ist kein Testament und kein Abschied. Er ist ein Liebesdienst: Er erspart den Menschen, die Sie mögen, in der schwersten Zeit die Suche nach Passwörtern, Policen und Vollmachten. Einmal angelegt, kostet er Sie danach nur noch eine Stunde im Jahr.
Tipp: Über das Info-Symbol neben jedem Punkt öffnen Sie eine ausführliche Erklärung — warum der Punkt zählt und worauf es ankommt.
Die Dokumente, die im Ernstfall darüber entscheiden, wer für Sie handeln darf.
Der verbreitetste Irrtum überhaupt: Ehepartner und Kinder dürfen NICHT automatisch füreinander entscheiden. Ohne Vollmacht bestellt das Betreuungsgericht einen Betreuer — im Zweifel eine fremde Person. Die Vollmacht sollte schriftlich sein, für Bankgeschäfte und Immobilien empfiehlt sich die notarielle Beurkundung.
Sie legt fest, welche Behandlungen Sie in bestimmten Situationen wünschen und welche nicht. Damit sie wirkt, muss sie hinreichend konkret sein — pauschale Formulierungen wie „keine lebensverlängernden Maßnahmen“ reichen Gerichten oft nicht. Sprechen Sie sie am besten einmal mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt durch.
Sie ist die Rückfallebene zur Vorsorgevollmacht: Falls doch ein gerichtlicher Betreuer nötig wird, benennen Sie darin, wen das Gericht bestellen soll — und wen ausdrücklich nicht. Das Gericht ist an diesen Wunsch weitgehend gebunden.
Selbst eine notarielle Vorsorgevollmacht wird von Banken in der Praxis nicht immer anstandslos akzeptiert. Erteilen Sie deshalb zusätzlich eine Konto- oder Depotvollmacht direkt bei der Bank, am besten über deren eigenes Formular. Eine Vollmacht, die über den Tod hinaus gilt, erspart Angehörigen später viel Zeit.
Ohne Testament greift die gesetzliche Erbfolge — die selten dem entspricht, was sich Paare vorstellen, insbesondere bei Patchwork-Familien oder unverheirateten Partnern. Ein handschriftliches Testament muss vollständig eigenhändig geschrieben und unterschrieben sein; am Computer getippt ist es unwirksam.
Sind beide Eltern verhindert, entscheidet das Familiengericht über den Vormund. Mit einer Sorgerechtsverfügung benennen Sie, wem Ihre Kinder anvertraut werden sollen — das Gericht folgt dem Wunsch in aller Regel.
Papiere, die Angehörige sonst mühsam zusammensuchen müssen.
Standesamt, Nachlassgericht und Versicherer verlangen jeweils eigene Urkunden. Wer mehrere beglaubigte Ausfertigungen vorrätig hat, spart Angehörigen Wochen an Behördengängen in einer ohnehin schweren Zeit.
Witwen- und Waisenrenten müssen beantragt werden — automatisch zahlt niemand. Die Rentenversicherung braucht dafür den Versicherungsverlauf. Wichtig: Der Antrag sollte zügig gestellt werden, da rückwirkende Zahlungen zeitlich begrenzt sind.
Viele Arbeitgeber haben Hinterbliebenenleistungen zugesagt, von denen die Familie gar nichts weiß — sie verfallen schlicht, weil niemand sie geltend macht. Legen Sie die Zusagen sichtbar in den Ordner.
Es bündelt Geburts-, Heirats- und Sterbeurkunden der Familie und wird bei fast jedem Amtsgang verlangt. Notieren Sie im Ordner, wo es liegt.
Der Überblick, den sonst niemand hat.
Vergessene Konten sind häufiger, als man denkt. Eine schlichte Liste mit Bank, Kontoart und IBAN genügt — Zugangsdaten und PIN gehören ausdrücklich NICHT dazu, sondern in einen Passwort-Manager. Sonst wird der Ordner selbst zum Risiko.
Eine Risikolebensversicherung zahlt nur, wenn jemand sie meldet. Notieren Sie Gesellschaft, Versicherungsnummer und Ansprechpartner. Prüfen Sie bei der Gelegenheit, ob die Bezugsberechtigung noch zur heutigen Familiensituation passt.
Schulden gehen auf die Erben über. Halten Sie fest, welche Darlehen laufen, welche Restschuld offen ist und ob eine Restschuldversicherung oder Risikoleben die Finanzierung im Todesfall ablöst. Gerade bei Immobilien entscheidet das darüber, ob die Familie im Haus bleiben kann.
Vermerken Sie Grundbuchblatt, Amtsgericht und den Ort der Kaufunterlagen. Bei vermieteten Objekten gehören auch Mietverträge und Verwalterkontakt dazu — die Mieteinnahmen laufen ja weiter und müssen verwaltet werden.
Verträge enden nicht mit dem Tod, sie müssen gekündigt werden — sonst laufen Abbuchungen monatelang weiter. Eine schlichte Liste mit Anbieter und Kundennummer erspart Angehörigen die Detektivarbeit im Kontoauszug.
Der Teil, den frühere Generationen nicht kannten — und der heute am meisten Ärger macht.
Der eleganteste Weg: Alle Zugänge liegen im Passwort-Manager, und nur dessen Master-Passwort wird hinterlegt — versiegelt beim Notar, im Bankschließfach oder bei einer Vertrauensperson. Viele Manager bieten dafür eine eigene Notfallzugriff-Funktion mit Wartezeit.
Wer Zugriff auf das Hauptpostfach hat, kann fast jeden anderen Dienst zurücksetzen — deshalb ist es der wichtigste und zugleich sensibelste Zugang. Halten Sie fest, welche Adresse Ihr Hauptkonto ist und was damit geschehen soll.
Große Plattformen kennen den Gedenkzustand oder einen Nachlasskontakt, den Sie zu Lebzeiten benennen können. Ohne Regelung bleiben Profile aktiv — was für Angehörige belastend sein kann, etwa durch automatische Geburtstagserinnerungen.
Fotos liegen heute selten im Album, sondern im Cloud-Konto — und das wird nach längerer Inaktivität irgendwann gelöscht. Ein regelmäßiges Backup auf eine Festplatte, deren Ort im Ordner steht, rettet die Erinnerungen der Familie.
Der beste Ordner nützt nichts, wenn ihn niemand findet.
Ein perfekt geführter Ordner, von dem niemand weiß, ist wertlos. Sagen Sie mindestens zwei Menschen, dass es ihn gibt und wo er liegt — idealerweise Personen, die nicht gemeinsam mit Ihnen verreisen.
Auf ein Bankschließfach kommen Angehörige ohne Vollmacht oder Erbschein oft erst nach Wochen zu — genau dann, wenn die Dokumente längst gebraucht würden. Besser: ein sicherer Ort zu Hause, dessen Lage die Vertrauensperson kennt.
Eine Seite mit allen Ansprechpartnern spart im Ernstfall Stunden: Angehörige, Hausarzt, Arbeitgeber, Steuerberater, Versicherungs- und Finanzberater — jeweils mit Telefonnummer.
Konten werden geschlossen, Policen gewechselt, Kinder geboren, Ehen geschlossen oder beendet. Ein Ordner, der zehn Jahre nicht angefasst wurde, führt im Ernstfall in die Irre. Koppeln Sie die Durchsicht an einen festen Termin — etwa den Jahres-Finanzcheck.
Diese Checkliste ist eine unverbindliche Serviceleistung und ersetzt keine individuelle Beratung — insbesondere keine Rechts- oder Steuerberatung. Keine Rendite- oder Erfolgsversprechen.
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